06.10.2016

Pädagogische Mitteilung

Was macht aus Jugendlichen islamische Fundamentalisten und was kann die Schule tun?

Jugendliche werden gezielt von salafistischen Gruppierungen angeworben. Vielleicht auch Ihre Schüler oder gar Ihr Kind? Was kann schulische Prävention leisten? Überlegungen und Antworten dazu finden Sie hier.

Die Anschläge von Brüssel im März 2016 haben gezeigt, dass der Terror endgültig im Zentrum Europas angekommen ist. Die Tatsache, dass junge Menschen, die in Westeuropa geboren und aufgewachsen sind, sich terroristischen Gruppierungen angeschlossen haben, um das eigene Land im Namen des Islam mit Blut und Terror zu übersäen, ist verstörend und macht hilflos.

Was sind die Ursachen und gibt es Gegenstrategien? Das  baden-württembergische Landesinstitut für Schulentwicklung, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und das dortige Ministerium für Kultus, Jugend und Sport haben jetzt den Teilband 1 einer Handreichungsreihe zur Prävention salafistischer Ideologisierung an Schulen erarbeitet.

Prävention – Aufgabe der Schulen?

Die Biografien von Terroristinnen und Terroristen und medienwirksame Geschichten von Jugendlichen, die von der Schulbank heimlich nach Syrien und in den Irak ausgereist sind, um sich dem „IS“ anzuschließen, sind Belege einer sehr unangenehmen Wahrheit: Religiös begründeter Extremismus ist beileibe kein außereuropäisches Problem.

Immer wieder wird die Rolle von Schulen bei der Vermeidung und Früherkennung von sogenannten Radikalisierungsprozessen betont. Auch wenn dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist - Lehrkräfte sind immer wieder mit Aussagen muslimischer Schüler konfrontiert wie z.B. „Ich bin nicht Charlie“. Notgedrungen müssen sie reagieren. Die jetzige Veröffentlichung will bei einer Positionierung helfen.

„Die Täterinnen und Täter haben europäische Kindergärten und Schulen durchlaufen und dort europäische Werte vermittelt bekommen. Diese Tatsache (...) löst Unbehagen aus und die Frage nach dem „Warum“ zielt mitten ins Herz des europäischen Selbstverständnisses.

 

Sybille Hoffmann
Institut für Schulentwicklung des Landes Baden-Württemberg

Teilband I: Wie werden Jugendliche zu islamischen Fundamentalisten?

Wer in der Begegnung mit Schülerinnen und Schülern kompetent urteilen möchte, mit diesen über die brisante Thematik  ins Gespräch kommen oder ganz allgemein die Annäherung an salafistische Positionen verhindern möchte, braucht ein grundlegendes Basiswissen, das über die gängigen Presseartikel hinausgeht.

Die vorliegende Teil I gibt eine grundlegende Einführung in die Thematik. Die Veröffentlichung möchte eine Kenntnis maßgeblicher Begrifflichkeiten, Hintergründe und Zusammenhänge vermitteln. Dies liefert den Grundstock zur Reflexion der eigenen Position, damit schulische Prävention in diesem Bereich gelingen kann. Der erste Teilband versteht sich als Angebot, das eigene Wissen gezielt zu erweitern, um den pädagogischen Herausforderungen kompetent begegnen zu können.

Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:

  • Lebenswelten und Identitäten muslimischer Jugendlicher

  • Diskriminierungserfahrungen muslimischer Jugendlicher in Gesellschaft und Schule

  • Die Attraktivität der salafistischen Ideologien

  • Handlungsstrategien und Unterstützungsangebote für Lehrkräfte

  • Anregungen für die Implementation eines Präventionskonzept an der eigenen Schule

Den Teilband I finden Sie als Download unter „Mehr zum Thema"