07.10.2019

Pädagogische Mitteilung

Gesamtvision

Online-Umfrage liefert erste aussagekräftige Ergebnisse

3500 Personen stellten dem Bildungssystem ein Zeugnis aus. Was dabei rauskam, erfahren Sie hier.

Vom 27. August bis zum 22. September 2019 lief eine breit angelegte Online-Umfrage über das ostbelgische Bildungssystem. Alle Ostbelgier waren dazu aufgerufen, in bis zu 88 geschlossenen und offenen Fragen ihre Meinung kundzutun.

Die Resonanz auf die Umfrage war groß – es beteiligten sich rund 3500 Personen, darunter zahlreiche Eltern, Lernende und Personalmitglieder des Bildungswesens. VDI Technologiezentrum GmbH (VDI TZ) hat in einer ersten Phase die Antworten auf die geschlossenen Fragen ausgewertet.

Daraus ergeben sich u.a. folgende Feststellungen

Berufswahlorientierung:

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Mit 69 % ist die Mehrheit der Befragten der Meinung, dass die Schulen die Schüler gut genug auf Studium oder Ausbildung vorbereiten. Bei der Vorbereitung auf den Beruf gehen die Meinungen jedoch auseinander: Die Aussage „Die Schulen bereiten die Schüler gut genug auf den Beruf vor“ wurde von 42 % als unzutreffend und von 41 % als zutreffend bewertet. Die meisten Befragten wünschen sich, dass die Berufswahlvorbereitung gestärkt wird (83 %) und dass Praktika in allen Schulformen angeboten werden (86 %). Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (55 %) ist der Ansicht, dass die Schule nicht ausreichend auf das Leben vorbereitet.

Kompetenzvermittlung:

Laut Umfrage sollen in der Schule zukünftig insbesondere personale Kompetenzen wie Flexibilität, Eigenmotivation, Selbstständigkeit (69 % Zustimmung), Problemlösekompetenzen wie Kreativität, Innovationsfähigkeit, analytisches und kritisches Denken (69 % Zustimmung) und soziale Kompetenzen wie Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Umgang mit Vielfalt (68 % Zustimmung) stärker gefördert werden. Die Förderung von Fachkompetenzen (22 % Zustimmung) wurde vergleichsweise selten eingefordert.

Politische Bildung:

Die Aussage „Politische Bildung und gesellschaftliche Themen sollten in verschiedenen Fachunterrichten behandelt werden“ erntete mit 81 % große Zustimmung. Die Teilnehmer wurden gefragt, welche Themen der politischen Bildung verstärkt im Unterricht behandelt werden sollten. Die meisten sprachen sich für das Thema Nachhaltigkeit (47 %) aus. Am zweithäufigsten wurden die Themen „Demokratie und andere politische Systeme“ (34 %) sowie „Diskriminierung (Rassismus, Sexismus, Antisemitismus usw.)“ (34 %) genannt.

Schuljahresrhythmus:

56 % der Teilnehmer sind der Meinung, dass der aktuelle Schuljahresrhythmus angemessen ist. 53 % sprechen sich im Falle einer Neutaktung dafür aus, die Gesamtferiendauer beizubehalten. Die Länge der Schultage sowie die Taktung der Schulstunden von jeweils 50 Minuten werden mit 67 % bzw. 76 % ebenfalls mehrheitlich als „angemessen“ eingestuft.

Mittelständische Ausbildung:

Während die mittelständische Ausbildung 74 % der Befragten zufolge ein gutes Ansehen in Ostbelgien genießt, wünschen sich immerhin 87 % eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den technisch-beruflichen Zweigen der Sekundarschulen und der mittelständischen Ausbildung (ZAWM, IAWM).

Fremdsprachenkompetenzen:

„Die Kompetenzen in Französisch als erste Fremdsprache sollten noch mehr gefördert werden.“ Dies bestätigen die Umfrageteilnehmer mit 85 %. Die Befragten konnten sich auch zu Lösungsvorschlägen positionieren. Die meisten befürworten, dass Schulen vermehrt Austauschprogramme nutzen oder Praktika ermöglichen sollten (46 %). Zudem sollte die Qualität des Französischunterrichts verbessert werden (40 %).

Wie sieht der weitere Verlauf der Diagnosephase aus?

Mit dem Ende der Umfrage ist die Erstellung der Diagnose keineswegs abgeschlossen. Neben den Diskussionsforen mit unterschiedlichen Bildungsakteuren im Oktober findet im November ein Workshop mit den Schlüsselakteuren statt.

Im Dezember ist dann erneut die breite Bevölkerung gefragt: In zwei öffentlichen Veranstaltungen werden alle Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Weitere Informationen dazu werden in Kürze hier veröffentlicht.

Bis zum Jahresende wird VDI TZ der Regierung den Ergebnisbericht der Diagnosephase vorlegen. Dieser wird, unter Berücksichtigung aller gesammelten Meinungen und Anregungen, ein detailliertes Bild der aktuellen Situation des Bildungssystems aufzeigen und Handlungsfelder identifizieren.