Der bezahlte Bildungsurlaub

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Am 1. Juli 2014 trat die Sechste Staatsreform in Kraft. Dadurch gingen einige Zuständigkeiten vom Föderalstaat an die Gemeinschaften und Regionen.

Weitere Verantwortungsbereiche wurden von der Wallonischen Region an die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) übertragen. Seit dem 1. Januar 2016 ist die DG für den bezahlten Bildungsurlaub zuständig.

Wenn ein Arbeitnehmer, der einen bezahlten Bildungsurlaub beantragt, in einem Privatbetrieb in der DG arbeitet, erfolgt die Bearbeitung des Antrags in der DG. Der Fachbereich Ausbildung und Unterrichtsorganisation im Ministerium der DG bearbeitet den bezahlten Bildungsurlaub ab dem Schuljahr 2014-2015.

Die Forderungsanmeldungen für das Schuljahr 2015-2016 seitens der Arbeitgeber werden bis zum 30. Juni 2017 entgegengenommen.

Was ist der bezahlte Bildungsurlaub?

Als Arbeitnehmer im Privatsektor können Sie Bildungsurlaub - unter gewissen Voraussetzungen - in Anspruch nehmen, wenn Sie eine anerkannte Aus- oder Weiterbildung absolvieren.

Je nach Art der Weiterbildung erhalten Sie eine Freistellung von der Arbeit für eine gewisse Anzahl Stunden pro Schuljahr - unabhängig davon, ob der Unterricht während der Arbeitszeit stattfindet oder nicht und dies ohne Lohnverlust.

Aber Achtung: Ihr Arbeitgeber kann den Lohn für die Stunden des bezahlten Bildungsurlaubs auf die gesetzlich festgelegte Höchstgrenze (2.760 EUR brutto für das Schuljahr 2014-2015) beschränken. Sollte Ihr regulärer Lohn diesen Betrag überschreiten, erhalten Sie also für diese Freistunden weniger Gehalt.

Der bezahlte Bildungsurlaub ist Ihr Recht als Arbeitnehmer. Jedoch muss die Planung des bezahlten Bildungsurlaubs zusammen mit Ihrem Arbeitgeber erfolgen.

Die DG erstattet Ihrem Arbeitgeber die Lohnkosten zurück. Für die Rückerstattung gelten bestimmte Höchstgrenzen.

Wo liegt die minimale und maximale Stundenanzahl?

Die Weiterbildung muss mindestens an 32 Stunden pro Jahr stattfinden.

Der Bildungsurlaub darf je nach Art der Weiterbildung höchstens 80 bis 180 Stunden pro Jahr betragen.

Welche Aus- und Weiterbildungen kommen in Frage?

Der bezahlte Bildungsurlaub gilt im Prinzip für Schulungen in Belgien.

Anträge auf Anerkennungen von Schulungen in Belgien müssen die Weiterbildungseinrichtungen vor Beginn der Bildungsmaßnahme an das Ministerium, Fachbereich Ausbildung und Unterrichtsorganisation, richten.

Für Sektorenschulungen muss die Anfrage, um Weiterbildungen anerkennen zu lassen, an die zuständige Paritätische Kommission gehen.

Wie sieht es mit Aus- und Weiterbildungen in Deutschland aus?

Wenn Sie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens arbeiten, besteht die Möglichkeit, Schulungen in Deutschland für das System des Bildungsurlaubs anerkennen zu lassen.

Die Anträge auf Anerkennung der Ausbildung müssen Sie mindestens vor Beginn der Schulung beim Ministerium der DG einreichen.