Thema: Unterrichts- und Prüfungszeit

Eltern und Schüler kennen das Phänomen: Nicht selten schreibt ein Schüler in einer Woche in mehreren Fächern gleichzeitig Tests, Klausuren und Arbeiten. Dies führt nicht nur zu schulischem Stress, sondern belastet auch das Familienleben. Doch auch Lehrer sind der Meinung, dass zu viel getestet, zu viel geprüft wird.

Müssen tatsächlich in allen Fächern neben den üblichen Tests und Arbeiten auch noch Weihnachtsprüfungen stattfinden? Welches Ziel verfolgt ein Wissenstest, wenn sich doch Eltern, Schüler und Lehrer einig sind, dass das Erlernte nach kurzer Zeit wieder vergessen ist? Welchen Sinn und Zweck verfolgen diese schriftlichen Arbeiten und entsprechen sie noch den Erfordernissen der Leistungsermittlung und –bewertung einer Schule, an der möglichst kompetenzorientiert unterrichtet werden soll?

Wir bereiten die Schüler auf das weiterführende Studium an der Universität vor, ist häufig das Argument in Bezug auf die Prüfungsfrage. Doch wann beginnt diese Vorbereitung? Muss ein Schüler im ersten Jahr der Sekundarstufe bereits auf ein höheres Studium vorbereitet werden, obwohl noch in keiner Weise absehbar ist, welchen schulischen Weg er einschlagen wird? Und wie bereitet man überhaupt möglichst optimal auf ein Universitätsstudium und eine sich rasch wandelnde Gesellschaft und Arbeitswelt vor?

Das Pensum an Unterrichtsstunden ist beeindruckend

Ein Schüler im Sekundarbereich besucht im Schnitt 34 Unterrichtsstunden in der Woche, erledigt seine Hausaufgaben und nimmt bei Bedarf zusätzliche Unterstützung in der Mittagspause oder in seiner Freizeit in Anspruch. Setzen wir tatsächlich auf Quantität statt Qualität? Wie viel ist notwendig? Wie viel ist zu viel?

Um die in den Rahmenplänen und Curricula vorgesehenen Programmpunkte abzuarbeiten, wird die gesamte Zeit benötigt, so das Argument. Ist dem wirklich so?  Und was ist mit fächerübergreifenden Kompetenzen und Themenschwerpunkten? Wo stehen wir bei der Umsetzung des kompetenzorientierten Unterrichts?

Diese grundsätzlichen Fragen nach dem Umfang der Unterrichts- und Prüfungszeit betreffen in erster Linie den Sekundarbereich. So gilt es u.a. zu klären, ob die Unterrichtszeit  im Sekundarschulwesen nicht auf ein maximales Wochen- oder Jahresstundenvolumen begrenzt und die Dezember-Prüfungen nicht abgeschafft bzw. verkürzt werden sollten. Bei eventuellen Anpassungen ist zwischen den drei Stufen und den verschiedenen Unterrichtsformen zu differenzieren. Auch müssen entsprechende Überlegungen einhergehen mit der Überarbeitung der verschiedenen Vorgaben und Empfehlungen im Bereich der Schülerbewertung und Leistungsermittlung.