Studie zur Lehrerkooperation

Die Autoren der Studie haben mehr als 1.000 Lehrkräfte an deutschen Schulen zu ihren Gewohnheiten bei der Zusammenarbeit mit Kollegen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Austausch von Material und Informationen weit verbreitet ist.

Die Vielfalt in den Klassenzimmern nimmt zu – dabei kommen mehrere Faktoren zusammen: die Bemühungen um ein inklusives Schulsystem, sinkende Schülerzahlen und die daraus folgende Notwendigkeit altersheterogener Lerngruppen, der Trend zu einem zweigliedrigen Schulsystem und die anhaltende und aktuell stark steigende Einwanderung nach Deutschland. Dieser Vielfalt gerecht zu werden und dafür Sorge zu tragen, dass Schüler faire Bildungschancen haben, fordert Lehrkräfte heute besonders heraus. Die bisherige Forschung gibt viele Hinweise darauf, dass eine intensive Zusammenarbeit den Lehrkräften hilft, diese Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen. (Studie zur Lehrerkooperation)

Das gemeinsame Unterrichten im Team oder gegenseitige Unterrichtsbesuche mit anschließendem Austausch finden hingegen äußerst selten statt. Es handelt sich bei letzterem Beispiel um eine der komplexeren Formen der Kooperation, die erwiesenermaßen die größte Wirksamkeit aufzeigen.

Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus dieser Studie formulierten die Autoren sechs Empfehlungen, unter anderem:

  • Integration von Kooperationszeit als fester Bestandteil der Arbeitszeit
  • erhöhte Präsenzzeit von Lehrkräften auch außerhalb der Unterrichtszeit
  • feste Kooperationsstrukturen

Die Studie untermauert das Vorhaben aus dem Konzept „Gutes Personal für gute Schulen“, die kollegiale Zusammenarbeit im Lehrerberuf zu fördern und durch die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen zu unterstützen.

Modell der Formen der Kooperation von Gräsel, Fussangel und Pröbstel:

 

(1) Austausch: Diese Form verlangt kein gemeinsames Ziel, ermöglicht hohe Autonomie aller Beteiligten und erfordert keine besondere Vertrauensbasis.
Beispiel: Weitergabe von Informationen und Materialen

 

(2) Arbeitsteilige Kooperation: Diese Form setzt ein gemeinsames Ziel voraus und erfordert Absprachen über den Prozess. Gegenseitiges Vertrauen ist erforderlich und jeder Beteiligte erledigt seinen Aufgabenteil autonom.
Beispiel: Erstellung und Korrektur von Prüfungen

 

(3) Kokonstruktion: Bei dieser Form nutzen alle Beteiligten ihre Kompetenzen und ihr Wissen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Der Weg dorthin ist arbeitsaufwändiger und erfordert ein hohes Maß an Vertrauen.
Beispiel: Kollegiale Hospitation mit anschließendem Feedback