Schlussfolgerungen von VDI TZ

Der Ergebnisbericht zur ersten Diagnose der Stärken und Herausforderungen des Bildungssystems in Ostbelgien zeigt ein differenziertes Meinungsbild. Grundlage hierfür bildet ein intensiver Beteiligungsprozess, in den sich 2019 rund 3.800 engagierte Vertreter aus Bildung, Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft eingebracht haben.

Eine solch umfassende Betrachtung des Bildungssystems hat es in Ostbelgien bisher noch nicht gegeben. Insofern konnte die Perspektive bisheriger Umfragen und Untersuchungen deutlich geweitet und auf ein solides Fundament gestellt werden.

Das erhobene Meinungsbild bezieht sich dabei nicht allein auf den Status-Quo. Vielmehr zeigt die Betrachtung Handlungsfelder auf, in denen konkrete Handlungsoptionen vorgeschlagen werden. Die meisten Handlungsfelder und -optionen haben die Beteiligten des Dialogprozesses gemeinsam erarbeitet.

Aufgrund ihrer zahlreichen Bezüge zu anderen Handlungsfeldern erachtet VDI TZ folgende „Schlüsselthemen“ für eine nachhaltige Entwicklung der Gesamtvision für das Bildungswesen in Ostbelgien als besonders relevant.

Digitalisierung der Bildung

Die im Rahmen des Beteiligungsprozesses geführte Debatte fokussierte insbesondere den Aspekt, welche digitalen Fähigkeiten Schüler zukünftig brauchen und wie Themen zur Nutzung von digitalen Medien im Unterricht genügend Berücksichtigung finden. Veränderungen und Chancen, die die Digitalisierung für das Lehren und Lernen ermöglicht, wurden hingegen eher weniger diskutiert.

Inhaltliche und zeitliche Flexibilität

Die Ergebnisse der ersten Diagnose dokumentieren, dass Schule in Zukunft eine noch größere Flexibilität benötigt, um Lerninhalte zu vermitteln. Das bisherige System bietet prinzipiell diese Freiräume, jedoch bestehen bei den Lehrern Unsicherheiten im Umgang hiermit.

Offenheit, Vertrauen, Kooperation und interne Vernetzung

Das Fazit, insbesondere der Diskussionsveranstaltungen, lautet, dass Veränderungen im Kontext aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen individueller Lösungen bedürfen. Um die Ideenfindungen zu stimulieren, ist ein noch intensiverer Austausch zwischen allen Akteuren und eine stärkere interne Vernetzung erforderlich. Hierbei soll mehr als bisher auf externe Moderationen gesetzt werden.

Raum für Experimente und externe Vernetzung

Die im Rahmen der ersten Diagnose identifizierten Herausforderungen im Bildungswesen erfordern eine praktische Erprobung von Lösungsansätzen. Mit seinem hohen Grad an Autonomie bietet sich Ostbelgien als Labor für die Anwendung innovativer Konzepte an. Dies erfordert auch eine externe Vernetzung. Im Austausch mit anderen leistungsstarken Bildungsregionen kann ein Höchstmaß sowohl an Kreativität als auch an Ideenreichtum mobilisiert werden.

Diagnosespektrum vervollständigen

Einige Themen fanden aufgrund der erforderlichen Priorisierungen im Rahmen der Erhebung des Meinungsbildes lediglich eine kursorische Berücksichtigung. Hierzu gehören u.a. das außerschulische Lernen, die Begabungs- und Talentförderung, das digitale Lernen sowie die psychische Gesundheit. Diese Aspekte sollten im Rahmen des weiteren Entwicklungsprozesses stärkere Berücksichtigung finden.