Thema: Berufseinstieg

Um Berufseinsteiger im Lehrerberuf zu unterstützen, werden in der DG auf verschiedenen Ebenen vereinzelt Maßnahmen ergriffen. Allerdings betreffen diese Angebote entweder nur eine bestimmte Zielgruppe oder sie werden schulintern organisiert.

Beispielsweise richtet sich die Berufseinstiegsphase an der Autonomen Hochschule vornehmlich an Einsteiger im Grundschulwesen. Vereinzelte Schulen stellen neuen Personalmitgliedern erfahrene Kollegen zur Seite und bieten Rundgänge oder Informationsbroschüren an. An einigen Schulen werden Hospitationen ermöglicht oder neue Kollegen werden in bestehende Fachteams integriert.

Ob ein Neu- oder Quereinsteiger unterstützt wird und in welcher Form, hängt derzeit also noch stark von der schulinternen Organisation und der Bereitwilligkeit der Kollegen ab. Es gibt keinen strukturellen Rahmen, der einem Neueinsteiger im Unterrichtswesen in der DG unabhängig davon, an welcher Schule oder in welchem Bereich er tätig ist, eine Unterstützung, einen Ansprechpartner oder eine Beratung garantiert.

Von Anfang an den Einstieg erleichtern

Aus dieser Analyse folgt: Der (neue) Lehrer braucht vor allem Vertrauen, Unterstützung und Beratung. Aus diesem Grund soll eine umfassende Berufseinstiegsphase eingeführt werden, die folgende Elemente und Angebote umfasst:

Mentoring- und Einstiegsprogramme für neue Lehrkräfte sind weltweit recht verbreitet und haben sich als wirksames Instrument zur Verringerung der Anzahl Berufsaussteiger und zur Förderung von Selbstvertrauen und Professionalität bei Lehrern erwiesen. (ISTP 2015, Abschlussbericht)

  • Mentorat für Berufseinsteiger
  • Vernetzung der Berufseinsteiger untereinander und mit erfahrenen Fachkollegen
  • Vernetzung zwischen Schulleitern und Ausbildern bzw. Betreuern der Berufseinsteiger
  • Schaffung eines externen Coaching-Angebots
  • Schaffung einer Hospitations- und Feedbackkultur
  • Förderung der Teamarbeit auf den verschiedensten Ebenen (Klasse, Stufe,…)
  • individuelle Qualifikations- und Weiterbildungsberatung für Neu- und Quereinsteiger

Genügend Zeit

Damit die Berufseinsteiger auch die notwendige Zeit haben, das Berufseinstiegsprogramm sinnvoll zu nutzen, erhalten sie, insofern organisatorisch möglich, einen verringerten Stundenplan bei vollem Lohnausgleich.

Die Berufseinstiegsphase erstreckt sich über drei Jahre. Sie kann im Einzelfall aber auf maximal fünf Jahre verlängert werden. Während dieser Zeit wird der Berufseinsteiger nicht wie bisher beurteilt. Stattdessen wird sein Entwicklungsstand regelmäßig anhand von Zielvereinbarungen festgehalten und Entwicklungsziele werden vereinbart. Erst zum Abschluss der Berufseinstiegsphase erfolgt eine Beurteilung mit einer Eignungsaussage.

Der Fokus liegt also auf der begleiteten und unterstützten Entwicklung des Berufseinsteigers über mehrere Kanäle.

Beispiele für Mentoring- und Einstiegsprogramme

 

Neuseeland: In den Arbeitsverträgen von Sekundarschullehrern ist „Nicht-Unterrichtszeit“ vorgeschrieben. Vertraglich ist festgehalten, dass ein vollzeit eingestellter Neulehrer im ersten Jahr 80% eines Vollzeitäquivalents unterrichtet und im zweiten Jahr 90%. Erst danach kann eine Lehrkraft einen vollen Stundenplan unterrichten.

 

Schweiz: Alle neuen Lehrkräfte nehmen an gemeinschaftlichen Praxisgruppen teil, die von ausgebildeten erfahrenen Lehrkräften geleitet werden. Ihnen steht ein Beratungsangebot zur Verfügung und sie belegen regelmäßig sowohl freiwillig als auch verpflichtend Kurse, um ihre Unterrichtspraxis zu verbessern.

 

(Quelle: What the World Can Teach Us About New Teacher Induction - Wong, Britton und Ganser)