Thema: Berufliche Entwicklung

Das Konzept „Gutes Personal für gute Schulen“ setzt vor allem auf kollegiale Zusammenarbeit und Unterstützung beim Berufseinstieg.

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Parallel dazu sollen neue berufliche Entwicklungsperspektiven im Lehrerberuf geschaffen werden. Bisher muss eine Lehrkraft teilweise das Unterrichten in der Klasse aufgeben, um andere Aufgaben zu übernehmen oder in eine Leitungsfunktion einzutreten.

Neue Aufgaben und Rollen für Lehrer

Die Förderung der kollegialen Zusammenarbeit und die Unterstützung beim Berufseinstieg sind nur zwei Tätigkeitsfelder, in denen sich neue Lehrerrollen auftun. So wäre es beispielsweise denkbar, dass erfahrene Lehrkräfte (senior teacher) Verantwortung für die Begleitung von Neueinsteigern (junior teacher) an der Schule übernehmen oder Fachteams (expert teacher) leiten, betreuen und beraten.

Attraktiver könnten diese Rollen gestaltet werden, wenn sie nicht automatisch mit einer Verringerung der Unterrichtsstunden einhergingen. Alternativ könnten sie im Rahmen einer Gesamtarbeitszeit berücksichtigt werden oder als Zusatzaufgabe definiert und honoriert werden. Auf diesem Wege würden auch Leitungsaufgaben an einer Schule zu Teamaufgaben.

Berufliche Entwicklung heißt auch Weiterbildungschancen

Studien belegen, dass Schüler bessere schulische Leistungen erbringen und eine größere Lernmotivation aufweisen, wenn ihre Lehrer Vertrauen in ihre eigenen Lehrfähigkeiten haben („erhöhte Selbstwirksamkeit“). Darüber hinaus neigen die Lehrkräfte selbst dazu, effizientere Unterrichtsmethoden anzuwenden, sie legen eine höhere Begeisterung für das Unterrichten an den Tag und sind zufriedener in ihrem Job. (Quelle: ISTP 2015, Abschlussbericht)

Weiterbildung ist Verpflichtung und Recht zugleich, sollte aber stets im Kontext der Laufbahn gesehen werden. Dabei ist auf Kohärenz und Nachhaltigkeit zu achten: Es ist mittlerweile belegt, dass punktuelle Weiterbildungsmaßnahmen eine geringere Wirkung auf die tägliche Berufspraxis haben. Besser funktioniert berufliche Weiterbildung, die in den Job selbst eingebettet ist.

Deshalb sollten Weiterbildungen künftig als konkrete Angebote im Rahmen der Personalentwicklung betrachtet werden. Außerdem sollten Freiräume für mehr Schulentwicklungsarbeit geschaffen werden, sodass eine Schule sich als Team und als Lern- und Lehreinheit weiterentwickeln kann.

 

Neuseeland erarbeitet derzeit neue Aufgaben und bessere Laufbahnmöglichkeiten für Lehrkräfte, darunter Aufgaben für „leitende“ Lehrkräfte, die gemeinsam mit Kollegen an der Verbesserung der Unterrichtsqualität arbeiten, und für Lehrer-„Experten“, die Schulgruppen betreuen.

 

In Finnland beispielsweise, einem Land mit deutlich kleineren Schulen, gestaltet sich die Führungsaufgabe von Lehrkräften eher informell. Alle Lehrer sind maßgeblich beteiligt an der Erarbeitung von Lehrplänen, an der Bewertung, an der Einführung neuer pädagogischer Ansätze, an der Leitung von Lehrerteams sowie an der Begleitung neuer Kollegen. Allerdings sind hierfür keine ständigen oder festen Aufgabenbereiche oder hierarchische Beziehungen festgelegt.

 

 (Quelle: ISTP 2015, Abschlussbericht)