Thema: Lehrerarbeitszeit

Das aktuelle Arbeitszeitmodell beschränkt sich in erster Linie auf den Bereich der Unterrichtsverpflichtung – nur in zwei von 35 europäischen Ländern (Belgien und Italien) wird die Arbeitszeit ausschließlich anhand der Unterrichtsverpflichtung (Deputat) definiert. Abhängig von ihrem Amt oder von der Schule bzw. Stufe, in der eine Lehrkraft unterrichtet, entspricht ihre Arbeitszeit zum Beispiel 20 oder 28 Unterrichtstunden.

Welche Aufgaben ein Personalmitglied neben dem reinen Unterricht in der Klasse zusätzlich erfüllt, wie viel Zeit die Vor- und Nachbereitung von Unterrichtsstunden erfordert und wann Kollegen gemeinsam planen und vorbereiten, ist aufgrund dieser Regelung weder sichtbar für Außenstehende noch nach innen transparent. Diese Definition wird den Anforderungen an den komplexen Beruf des Lehrers und an die schulische Organisation nicht mehr gerecht.

Ein modernes Arbeitszeitmodell im Unterrichtswesen

Ein effizientes Arbeitszeitmodell sollte nach Meinung von Experten erhöhte Präsenzzeiten von Lehrkräften auch außerhalb der Unterrichtszeit an der Schule vorsehen. Somit ist Kooperationszeit als fester Bestandteil der Arbeitszeit und des Arbeitsalltags vorgesehen.

Lehrkräfte, die ihre Arbeitszeit nach dem Unterricht zum größten Teil an der Schule verbringen, kooperieren deutlich intensiver als Lehrkräfte, die gar nicht oder nur wenige Stunden nach dem Unterricht an der Schule tätig sind. Die Präsenz an der Schule scheint daher eine wichtige Voraussetzung zu sein, um mit anderen Kollegen und pädagogischen Fachkräften in Austausch zu treten. Zur Erhöhung der Kooperationsaktivität ist es daher angeraten, dass Lehrkräfte einen möglichst hohen Anteil ihrer Arbeitszeit auch an der Schule verbringen.“

Quelle: Lehrerkooperation in Deutschland (Dirk Richter & Hans Anand Pant)

Ein neues Arbeitszeitmodell ist also eine wesentliche Vorraussetzung für erfolgreiche Schulentwicklung. Teamarbeit zwecks Unterrichts- und Schulentwicklung muss selbstverständlicher und integraler Teil der Arbeitszeit werden. Außerdem soll die Gesamtarbeitsleistung sichtbarer und transparenter werden.

Angestrebt wird aus diesen Gründen ein Modell einer generellen Arbeitszeit auf Jahresbasis. Herzstück der neuen Regelung ist neben der Unterrichtszeit eine verpflichtende Präsenzzeit für

  • Unterrichtsentwicklung
  • Schulentwicklung
  • sonstige Aufgaben, die eine Anwesenheit des Personalmitglieds in der Schule erfordern (Elterngespräche, Fallbesprechungen z.B. mit Kaleido usw.).

Eine vollständige Präsenz in der Schule wird hingegen nicht angestrebt.

In einem Eurydice-Bericht von Juni 2015 über den Lehrerbruf in Europa wurde die Lehrerarbeitszeit europaweit verglichen. Die nachstehende Grafik zeigt, dass neben Belgien nur Italien die Arbeitszeit des Lehrers ausschließlich über die Unterrichtszeit definiert. Alle anderen Länder arbeiten zusätzlich oder ausschließlich mit einer Präsenz- und/oder Gesamtarbeitszeit.

Vergleich der Arbeitszeit von Lehrkräften in Europa